5.11.16

Klasse Bericht von Anna-Lena Stauder von der Allgemeine Zeitung - "Zwischen Kunst und Handwerk"

Töpfermarkt zieht Besucher am Wochenende nach Alzey

ALZEY - Noch ist wenig los in den Höfen um Stadtweingut und Burggrafiat: Am frühen Nachmittag, der Töpfermarkt ist gerade eröffnet, da klappert es noch überall. Die 31 Aussteller aus Werkstätten der ganzen Republik räumen ihre Schätze an den richtigen Platz und setzen sie in Szene. In historischer Kulisse erwartet Keramik-Liebhaber Gebrauchsgeschirr, aber auch handwerkliche Kleinserien, die die Aussteller zum Verkauf anbieten. Es ist ein buntes Farbenspiel aus Schüsseln, Tassen, Tellern und Vasen, die Punkte, Linien und Muster zieren, der Vielfalt an Formen und Strukturen sind keine Grenzen gesetzt.

Fokus auf Funktion der Objekte


„Der Fokus hier ist auf die Funktion der Objekte gelegt“, erklärt Aussteller und Mitorganisator Martin Goerg. Der gelernte Keramiker aus Höhr-Grenzhausen, der seit 1990 als Selbständiger arbeitet, hat in diesem Jahr auch ein besonderes Stück dabei. Eine große Salzbrand-Vase, für die er vor einigen Jahren den Westerwaldpreis erhielt, wird neben Objekten anderer international renommierter Künstler in den Räumlichkeiten des Stadtweingutes präsentiert. Monika Gass, Leiterin des Keramikmuseums in Höhr-Grenzhausen hat für die Sonderausstellung zum Töpfermarkt Keramikobjekte von zehn Ausstellern ausgewählt. Darunter sind kleine Vasenarrangements des Frechener-Keramikpreisträgers Kiho Kang aus Südkorea oder eine Seladon-Schale von Staatspreisträger Fritz Roßmann. Hintergrund sei gewesen, ausgewählte Stücke einem Publikum zugänglich zu machen, das nicht in die Kannenbäckerstadt kommt, und aus dem Zentrum der Keramik heraus mehr in die Öffentlichkeit und auf Märkte zu gehen, erklärt John Burland, der ebenfalls Mitorganisator vom Freundeskreis des Töpfermarktes ist.

Jeder der Aussteller hat seinen eigenen Stil und arbeitet mit einer anderen Technik. Die Leidenschaft von Martin Goerg ist der Salzbrand, durch den Farbverläufe und Glanz entstehen. Die Grenzen zwischen Handwerk und Kunst sind für ihn fließend, eine Abgrenzung will er nicht ziehen. In jedem Fall müsse das Drehen auf der Töpferscheibe gelernt sein. „Den Dreh hatte ich erst Jahre nach meiner Lehre raus, als ich schon selbstständig war“, schildert Goerge. Schon sein Opa hatte Tongruben und als kleiner Junge fuhr er mit ihm zu Töpfereien, um den Werkstoff dort anzubieten. Schließlich hat er die Schule abgebrochen, um eine Lehre als Keramiker zu machen und bis 1985 die Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen besucht. „Ich könnte nicht ohne die Arbeit als Keramiker“, sagt Goerg.

Spannend, Entwicklung zu verfolgen

Für John Burland, der seit Jahren begeisterter Sammler ist, ist es vor allem spannnend, die Entwicklung der Aussteller in ihren Arbeiten zu verfolgen. „Es ist ein wirklicher Genuss, das immer wieder aufs Neue zu sehen“, sagt Burland. Nicht alle arbeiten mit Ton wie Goerg. Auch Porzellan, das ursprünglich aus China kommt, ist ein beliebtes Material. Mit ihm lässt sich ganz feines Geschirr herstellen, das teilweise auch transparent erscheinen kann. „Porzellan, das ist leider so, ist unter den verschiedenen Materialien die Prinzessin auf der Erbse“, erläutert Ausstellerin Martina Sigmund-Servetti aus Heilbronn. Denn einmal in Form gebracht, sei eine Veränderung nicht mehr möglich. „Porzellan hat ein Gedächtnis, es vergisst keinen Fehler“, ergänzt Burland.

Ob nun handwerkliches Können oder Kunst, von Butterdosen, über verbogene Schnapsflaschen mit Bügel-Verschluss, Hausnummern, Weihnachtsmänner, Gewürzgefäße über eher abstrakte Gebilde haben die Aussteller allerhand zu bieten. Ob die Objekte langweilig oder doch etwas ganz Besonderes sind, liegt im Auge des Betrachters. Über einen Keramikgrill, der im kalten November, etwas Wärme spendet und einen Räucher-Duft in die Luft entsendet, mag sich beim Rundgang in der Dämmerung sicherlich keiner beschweren

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