3.11.16

Die Mainzer Allgemeine Zeitung schreibt:


Nachrichten Alzey
28.10.2016
Keramikmuseum präsentiert in Alzeyer Stadtweingut und Burggrafiat Werke renommierter Künstler

Von Thomas Ehlke

ALZEY - Es ist ein Festival der Ästhetik, das sich da seit drei Jahrzehnten in Stadtweingut und Burggrafiat dem Betrachter bietet. Keramiker aus dem gesamten Bundesgebiet treffen sich alljährlich im November in der Volkerstadt, um beim Alzeyer Töpfermarkt die Werke ihrer Werkstätten zu präsentieren. Vor genau 30 Jahren von Ewald Solga ins Leben gerufen, gibt es zum runden Geburtstag des Marktes vom 4. bis 6. November eine hochkarätige Sonderausstellung.

Elf international bekannte Keramiker

In Zusammenarbeit mit dem Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen, dem deutschen Zentrum der Keramikkunst und des Töpferhandwerks, werden Werke von elf international bekannten Kunstschaffenden gezeigt. Ausgesucht wurden die Exponate von Museumsdirektorin Monika Gass, die die Ausstellung an allen drei Tagen mit einer multimedialen Präsentation begleiten wird. „Das ist eine absolut außergewöhnliche Schau auf internationalem Niveau und wir sind froh, sie hier in Alzey zeigen zu können“, sagt John Burland. Der in Rheinhessen lebende Neuseeländer mit britischen Wurzeln vom „Freundeskreis Töpfermarkt Alzey“ ist für Koordination und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Zu den Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke bei der Sonderschau gezeigt werden, gehören unter anderem Staatspreisträger Fritz Roßmann sowie Kiho Kang und Nicole Thoss, die beide unter anderem mit dem Frechener Kulturpreis ausgezeichnet wurden, und Martin Goerg, der neben dem Westerwaldpreis auch einen internationalen Preis für seine Salzbrand-Arbeiten erhielt. Skulpturen, Porzellan, Malerei und Drucktechniken auf Steinzeug – die Ausstellung zeigt verschiedene Stilistiken im kunstvollen Umgang mit dem irdenen Grundstoff.

Über die elf Akteure der Sonderausstellung hinaus sind beim eigentlichen Töpfermarkt wieder 31 Werkstätten am Start. Sie bieten Gebrauchsgeschirr, handwerkliche Kleinserien und Unikate zum Verkauf an. John Burland unterstreicht die Qualität, die die Keramiker ihren Kunden auf dem Markt bieten: „Das sind meisterhaft gefertigte Keramiken, die einzeln und mit großem Know-how angefertigt wurden.“

„Auch thermodynamische Ingenieure“

In seiner Heimat England gilt das Genre als Kunst. Hierzulande wird es in der Regel als Kunsthandwerk angesehen, wobei sich nicht wenige Keramiker selbst eher dem handwerklichen Sektor zugehörig fühlen. Das sieht Burland ganz anders. „Viele sagen, sie seien Künstler mit handwerklichem Einschlag und stellen dabei ihr Licht unter den Scheffel“, sagt er und fügt hinzu: „In Wirklichkeit sind es auch kreative thermodynamische Ingenieure, denn immerhin brennen sie bei 1250 Grad Celsius. Und sie sind Chemiker, denn man muss zum Beispiel wissen, wie Sauerstoff unter großer Hitze reagiert.“

Das Publikum des Alzeyer Töpfermarktes weiß womöglich nichts von diesen Hintergründen, dennoch schätzt es die Ergebnisse, die die schöpferischen Prozesse hervorbringen. „Von den Kunden wird das Angebot anerkannt und die Marktteilnehmer sind alle zufrieden, auch wenn das Wetter manchmal schlecht ist“, blickt John Burland auf die Umsätze, die getätigt werden. Viele Marktbesucher hätten „ihren“ Keramiker, zu dem sie schon seit Jahren gehen.

In diesem Jahr gibt es ein neues Gesicht bei den Anbietern: Marlen Schulze aus Höhr-Grenzhausen. Sie nimmt den Platz des Ateliers Solga ein. Der Begründer des Töpfermarktes ist im August im Alter von 89 Jahren gestorben, was vom Freundeskreis des Marktes und den Teilnehmern mit großer Trauer aufgenommen wurde.

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