8.11.15


Für Liebhaber der handgemachten Keramik

Vor allem das gemütliche Ambiente schätzen Besucher und Meisterwerkstätten, die beim traditionellen Töpfermarkt in Alzey ihre handgemachten Produkte präsentieren.
Foto: photoagenten/Axel Schmitz
Von Ali Reza HoushamiTÖPFERMARKT Meisterwerkstätten locken Besucher in die Höfe des Stadtweingutes und Burggrafiats
ALZEY - Freitagnachmittag in der Schloßgasse in Alzey: Besucher bummeln an Ständen vorbei. Einige schauen neugierig und beobachten, andere unterhalten sich oder werden von den zahlreichen Händlern beraten. Günter Gottschämmer und seine Frau sind aus Darmstadt. Sie halten Ausschau nach einer schönen Tasse. „Für unsere Tochter“, erklärt der Vater. Nicht irgendeine Tasse soll es sein. Eine Handgemachte hat sie sich zum Geburtstag gewünscht. So kam es, dass die Eltern sich zum Töpfermarkt nach Alzey aufgemacht haben.
Breite Palette an Produkten
32 Meisterwerkstätten geben der Veranstaltung rund um Stadtweingut und Burggrafiat eine besondere Note, indem sie ihren Kunden eine breite Palette an Gebrauchskeramik präsentieren: Tassen, Teller, Aschenbecher, große und kleine Schälchen sowie runde und eckige Platten. Aber auch Blumengefäße in Fisch- oder Hundeform und Kerzenständer mit verschiedenen Motiven sind zu bewundern. Die Auswahl ist groß, vielfältig sind zudem die Formen. Elisabeth Fischer mag es besonders farbenfroh. Mal kräftig-leuchtend, mal zart-strahlend ist ihr handgemachtes Geschirr. Die Künstlerin ist aus Hürth bei Köln und das erste Mal beim Töpfermarkt dabei. „Meine Kollegen haben sehr von diesem Markt geschwärmt. Da habe ich mich einfach mal bei den Organisatoren beworben“, erzählt Fischer. Mit Erfolg – und etwas Glück.
Schließlich könne nur ein neuer Händler seine Produkte beim Töpfermarkt ausstellen, wenn ein Platz frei wird, wie Martin Goerg berichtet. „Die Platzverhältnisse lassen nicht mehr Stände zu“, sagt der Keramiker aus dem Westerwald, der den Markt mit organisiert. Eine Tatsache, die der Veranstaltung auch seinen Charme verleihe, meint Goerg. „Der Markt ist klein, aber mit einem großartigen Ambiente.“ Das wissen auch die Meisterwerkstätten zu schätzen, sodass sie jedes Jahr nach Alzey kommen, etwa Jürgen Strohm, der zum zehnten Mal dabei ist. „Ich finde den Markt einfach toll, es passt alles“, sagt der Künstler, der sich auf salzglasiertes Steinzeug spezialisiert hat.
Wie in jedem Jahr gibt es im alten Kelterhaus des Stadtweingutes eine Sonderausstellung. Dieses Mal stehen im Vordergrund Grafiken und Skulpturen von Nicole Thoss und Andreas Hinder, einem Künstler-Paar aus Höhr-Grenzhausen. Mit ihren Werken zeigen sie, was noch aus Keramik machbar ist.
Aus dem gesamten Bundesgebiet kommen die Händler angefahren, um in Alzey dabei zu sein. „Wir müssen uns bewegen. Wir müssen nah am Kunden sein, um zu verkaufen“, erklärt Rosemarie Oswald. Sie ist aus der Oberlausitz und seit über 15 Jahren beim Töpfermarkt mit von der Partie. Mit ihrem Mann Friedmar habe sie dabei rund 600 Kilometer zurückgelegt. Die weite Anreise lohne sich. „Alzey ist eine gute Adresse, wir freuen uns, dass wir wieder hier sind.“ Kathrin und Martin Ernst sind dagegen aus Rosenheim. Ein Blickfang an ihrem Stand: Feuerschalen, „die auch zum Grillen genutzt werden können“.
Die Besucher kommen ebenfalls aus Nah und Fern, beispielsweise Marlies Schneider. Sie kommt aus Oberursel und ist nun zum vierten Mal beim Töpfermarkt zu Gast. Den Termin habe sie sich dabei vorgemerkt. „Früher habe ich gerne getöpfert, jetzt sammel ich gerne Keramiken. Von den Produkten, die es hier zu kaufen gibt, bin ich überzeugt. Deswegen fahre ich gerne hierher.“ Hanna Haid und ihr Mann sind frisch nach Rheinhessen gezogen. Den Töpfermarkt hatten sie sich gleich im Kalender markiert. „Ich bin zum ersten Mal hier und sehr angetan“, sagt Haid.
Bereits zum 29. Mal findet der Alzeyer Töpfermarkt statt, wie immer im November. Der Ort der Veranstaltung hat sich nicht geändert. Dafür aber der Zeitpunkt. Zwei Wochen früher als gewohnt sind die Höfe des Stadtweingutes und des Burggrafiats Anlaufpunkt für Liebhaber handgemachter Gebrauchskeramik (die AZ berichtete). Der Grund: Die aktuelle Landesverordnung verbietet, dass an stillen Feiertagen Märkte organisiert werden. Der Töpfermarkt fiel dabei immer auf den Totensonntag. Die zeitliche Verlegung stört die Besucher aber nicht. Ganz im Gegenteil. „Dafür ist es angenehm warm. Vor allem die Standbetreiber müssen nicht draußen frieren“, findet eine Bad Dürkheimerin.